Do-Harm-Medicine

Zu immer wüsteren Auswüchsen kommt es offensichtlich im Rahmen der Euthanasie, zuletzt wird die grausige Prozedur zunehmend mit Organentnahmen verbunden.

In den Niederlanden und in Belgien ist es mittlerweile gestattet, lebensmüden Patienten – auch psychiatrische Ursachen werden für ärztlich assistierten Suizid bzw. für Euthanasie mittlerweile zugelassen – Spenderorgane zu entnehmen.

Es fällt nicht leicht, einschlägige Berichte auch nur zu übersetzen; ich kann es dem Leser hier nicht ersparen, aus einem 2011 erschienenen Artikel in einer Fachzeitschrift zitiere ich einige Zeilen wörtlich:

„Organspender wurden einige Stunden vor dem geplanten Akt der Euthanasie ins Spital eingeliefert, ein zentraler Venenkatheter wurde in dem dem OP-Saal benachbarten Raum gesetzt und es wurde den Organspendern sodann vom ,behandelnden Arzt‘, der die Euthanasie durchführte, zusätzlich zu den Medikamenten für die Euthanasie Heparin verabreicht. Nachdem der ,Patient‘ von drei unabhängigen ,Ärzten‘ für tot erklärt wurde, wurde er rasch zur prompten Organentnahme in den Nachbarraum transferiert.“

Auch andernorts treten immer mehr „Ärzte“ dafür ein, die gesetzliche Verpflichtung, nur Tote als Organspender zuzulassen, das heißt Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind (welche Todeskriterien hier herangezogen werden, möge einmal außer Acht bleiben), aufzuheben.

Vielmehr sei es ethisch zu begrüßen, dass euthanasiewillige Menschen der Gesellschaft ihre Organe zu Verfügung stellen würden, da dadurch die Wartezeit zwischen Herzstill-stand und der Gewinnung von Spenderorganen minimiert werden kann, was die Qualität der zu transplantierenden Organe erhöht.

Es könnte überlegt werden, dies bei einem dezidiert nicht mehr lebenswilligen „Patienten“ dahingehend auszudehnen, dass bereits im sedierten Zustand Organe entnommen werden, was dann den ohnehin beschlossenen Tod herbeiführen würde.

In einem anderen „angesehenen“ amerikanischen Medizinjournal wird die Conclusio gezogen, dass es an der Zeit sei, sich aus Vernunftsgründen von dem Postulat des gleichen intrinsischen Werts jedes menschlichen Lebens zu verabschieden und für eine biologisch orientierte Weltgemeinschaft zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands solche Praktiken zu fördern.

Die Anführungszeichen wurden von mir als Übersetzer eingefügt, sie sollen weniger Ironie als Bestürzung zum Ausdruck bringen.

Anmerkung: Der Artikel geht auf einen in der absolut lesenswerten theologischen Zeitschrift „First Things“ von Wesley J. Smith verfassten Beitrag zurück; dieser ist Autor mehrerer Bücher, die sich mit diesem bedrückenden Thema beschäftigen; im Mai 2016 erschien, vorerst in englischer Sprache, sein nächstes Buch „Kultur des Todes – das Zeitalter der ,do harm‘-Medizin“ (der des Englischen kundige Leser wird erkennen, dass hier das uralte ärztliche Prinzip des primum nihil nocere ausgehebelt und in ein primum nocere übergeführt wird). Das Buch stand mir zum Zeitpunkt der Abfassung noch nicht zur Verfügung, die Auszüge lassen es als absolut lesens- und empfehlenswert erscheinen.

 

Dr. Kurt Usar

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